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Badener Zeitung 26. Februar 2004
Ein Zeichen der Nächstenliebe gesetzt

Pro Diamantina Das Hilfsprojekt für bedürftige Kinder in Brasilien geniesst in der Region viel Goodwill

von Peter Riner

Am 2. März reist das in Baden wohnhafte Rentner-Ehepaar Irène und Bernhard Bislin für zwei Monate nach Diamantina in Brasilien. Vor 11 Jahren haben die früheren Remtschwiler dort ein erfolgreiches Projekt für Kinder und Jugendliche auf die Beine gestellt.

Als junge Familie lebten die Bislins in den Sechzigerjahren während längerer Zeit in Belo Horizonte. Vater Bernhard Bislin war im Auftrag eines Schweizer Unternehmens als Elektroingenieur im Kraft­werkbau tätig. Während dieser Zeit lernte die Familie mit drei Kindern die vielfältigen Probleme dieses Landes und vor allem der armen Bevölkerungsschicht kennen. Für Irene und Bernhard Bislin war klar, dass sie die Zeit nach der Pensionierung sinnvoll nut­zen und in ein Hilfsprojekt stecken wollten. Es war für sie naheliegend, dieses Zeichen der Nächstenliebe in Brasilien zu setzen.

Im Herbst 1992 wurde das Wohnhaus in Remetschwil einem Sohn übergeben und der Haushalt aufgelöst – das grosse Abenteuer konnte starten. Im Januar 1993 erfolgte die Abreise, vorerst mit dem Ziel Belo Horizonte. Aber die Bislins erkannten die Millionenstadt, in der sie in den Sechzigerjahren gelebt hatten, fast nicht wieder. Sie entflohen dem Moloch und landeten schliesslich bei Freunden in Diamantina, einer Siedlung in kargem Gebirge und weitab von grossen Städten.

In dieser Stadt besteht seit Jahren ein Internat für bedürftige oder verwaiste Knaben. Dieses Projekt untersteht der «Gesellschaft zum Schutze des Kindes», deren Präsident Geraldo Ribeiro, ein Freund von Irene und Bernhard Bislin, ist. Er berichtete über die prekäre Situation vieler Mädchen aus der Peripherie und von der Notwendigkeit, auch für diese etwas zu tun.

Und damit war für das Ehepaar Bislin klar: Hier soll ihre Hilfe ansetzen. Noch im gleichen Jahr konnte ein kleines Landgut gemietet und mit der Arbeit begonnen werden. Mit einer ersten Gruppe von 7 Mädchen wurde der Grundstein der Erziehungsstätte für bedürftige Mädchen, der «Vila Educacional de Meninas» (VEM) gelegt.


Bei der VEM wird Brot gebacken

Die Mädchen, die aus sehr armen oder zerrütteten Familien kommen oder keine Eltern haben, finden im VEM tagsüber ein Zuhause. Sie erhalten Verpflegung, ausserschulische Erziehung und Orientierung fürs spätere Leben.

Die Mädchen werden verpflichtet, die städtische Volksschule zu besuchen. VEM sorgt für Schulmaterial, Schulkleider und erteilt Nachhilfeunterricht.
Wert
gelegt wird auf Allgemeinbildung. Dazu gehören auch Hygiene, Sexual-erziehung, Religionslehre etc. Die Mädchen erhalten aber auch berufliche Bildung wie Kochen und Backen, Zuschneiden und Nähen, Haarpflege und Manicure,Gartenbau etc. Mit den Ältesten wurde eine Produktionsgruppe gebildet. Jeden Montag werden während 2 Stunden Produkte aus Leder, Ton und Email hergestellt, am Freitag wird Vollkornbrot gebacken.
Diese Erzeugnisse bieten sie dann samstags auf dem Markt zum Kauf an.

Im Jahr 1994 wurde die Stiftung Pro Diamantina mit Sitz in Remetschwil ins Leben gerufen. Sie ist als gemeinnützige Institution anerkannt und verpflichtet, dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) jährlich Rechnung abzulegen. Spenden können in allen Kantonen bei den Steuern in Abzug gebracht werden.

Pro Diamantina ist eine Organisation zur Hilfeleistung an bedürftige Kinder und Jugendliche in der Stadt Diamantina in Brasilien und deren Einzugsgebiet. Finanziell und ideell unterstützt werden von der Stiftung aber auch das Projekt Cedia (Halbtagesschule für Kinder und Jugendliche) in einer Nachbarstadt von Diamantina, sowie «Apae», ein Tagesheim für geistig und körperlich Behinderte.

Nach Jahren intensiver Tätigkeit haben die Bislins das VEM im Jahr 2000 an ein dreiköpfiges brasilianisches Gremium übergeben.
Inzwischen sind es
rund 60 Mädchen im Alter zwischen 7 und 17 Jahren, die vom VEM profitieren können.

Irene und Bernhard Bislin sind nach neunjährigem selbstlosem Einsatz  in die Schweiz zurückgekehrt und haben 2001 in Baden Wohnsitz genommen. Geblieben ist ein intensiver Kontakt mit Diamantina. Es erreichen sie regelmässig Protokolle der Mitarbeiter-Sitzungen, Semester-berichte sowie Jahres- und Revisionsbericht.

Die Bislins sind dankbar, dass sich seit Jahren Leute aus der Region im 7-köpfigen Stiftungsrat für Gotteslohn engagieren. Gelegentlich werden altershalber Mitglieder zu ersetzen sein. Interessenten können sich bei
Irene
und Bernhard Bislin,
St.‑Ursus‑Strasse 22,  Baden, melden. Tel. 56/2211704 oder unter bibislin(ät)bluewin.ch .

Spendenkonto: UBS AG, Badstrasse 12,5401 Baden, zugunsten Stiftung Pro Diamantina, Konto: 232-41294873.0, oder Postscheckkonto: 50-3907-7, Stiftung Pro Diamantina, 5453 Remetschwil.

 AM SUPPENTAG DABEI

Zwei Tage, bevor das Ehepaar Bislin vorübergehend wieder nach Brasilien zurückkehrt, wird es in der Oberrohrdorfer Zähnteschüür am kommenden Sonntag, 29. Februar, am Suppentag teilnehmen. Bereits zum 11. Mal fliesst der Erlös dieser ökumenischen Veranstaltung der Stiftung Pro Diamantina zu. Bis heute durfte die Stiftung schon über 50.000 Franken «Suppentaggeld» vom Rohrdorferberg in Empfang nehmen. Organisiert wird der Suppentag seit Jahren durch ein bewährtes ökumenischesTeam. (ri.)

Neue Zürcher Zeitung 27. Mai 1997

Neue Lebensaufgabe nach der Pensionierung

Ein privates Sozialprojekt in Brasilien

von Bernhard Rubin (Der Autor ist Jurist und wohnt in Thalwil)

Neugierig wird der Fremde, der um die Mittagszeit im Internat ankommt, vom offenen Essraum aus beäugt. Zwei Minuten später werden ihn die jungen Besitzerinnen der dunklen Augen im Chor mit ihren Kolleginnen zum Essen einladen. Die vierzig Mädchen, mit wenigen Ausnahmen durchwegs dunkler Hautfarbe, sind die Schützlinge von Irène und Bernhard Bislin, einem Schweizer Ehepaar, welches sich nach der Pensionierung noch nicht in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen wollte, sondern nach einer neuen Aufgabe suchte. Und die Aufgabe fand sich - in Brasilien. 
In Diamantina, einem Städtchen im Bundesstaat Minas Gerais, gründeten sie im Dezember 1993 die VEM, die 
"Vila Educacional de Meninas".

Überforderte Mütter
Schliesslich nimmt auch der Religionsunterricht, welcher von katholischen Lehrerinnen geleitet wird, einen wichtigen Platz ein. Das Ehepaar Bislin, selber reformiert, sieht den konfessionellen Unterschied als Herausforderung, nicht als Hindernis. Es bemüht sich darum, dass die Mädchen zu echtem Glauben erzogen werden, welcher sich nicht in leeren Formeln erschöpft. Die Aufgabe, die sich Irène und Bernhard Bislin gestellt haben, ist alles andere als einfach.

 Die Mädchen der VEM stammen alle aus den untersten sozialen Schichten, wo häufig ungeordnete Familienverhältnisse anzutreffen sind. Die Mütter werden oft mit einer Vielzahl von Kindern, zum Teil von verschiedenen Vätern, im Stich gelassen, weil die Männer, trotz den immer spärlicher werdenden Funden, auf die Diamentensuche gehen und von der Jagd nach dem Zufallsglück nie mehr zur Familie zurückkehren oder weil sie sich sonst ihrer Verantwortung entschlagen. 
Es handelt sich dabei um ein Halbtagesinternat für bedürftige Mädchen zwischen 7 und 17 Jahren, welches einerseits auf die ausserschulische Erziehung ausgerichtet ist, andererseits aber auch Lücken im Lehrplan der öffentlichen Schulen schliessen will, wo in Klassen von bis zu 40 Schülern oft kaum mehr als Rechnen und Schreiben unterrichtet wird. In der VEM erhalten die Mädchen Unterricht in Hygiene und Gesundheit, Sexualkunde, Malen und Zeichnen, Gesang, Nähen, Sticken, Werken mit Holz und Ton, Gärtnern und Kochen. Ausserdem erhalten sie Nachhilfeunterricht für die Schule und einfache medizinische Betreuung. 

Nachfolger gesucht (siehe Anm.)
Das Ehepaar Bislin kann die lebhafte Kinderschar längst nicht mehr allein betreuen. Es wurden drei Lehrerinnen angestellt, und das Team wird noch durch eine französische Sozialarbeiterin verstärkt. Ausserdem leisten etwa 20 freiwillige Helfer aus der Stadt stundenweise unentgeltliche Einsätze. Finanziert wird die VEM durch Spenden von Freunden, Bekannten, Firmen und kirchlichen Institutionen mehrheitlich aus der Schweiz und Deutschland, zu einem geringen Teil auch aus Diamantina selber. Irène und Bernhard Bislin beklagen wohl den grossen administrativen Aufwand, der sie oft noch bis spätabends und an Wochenenden beschäftigt, sprechen aber im gleichen Atemzug von der erfülltesten Zeit ihres Lebens. Trotzdem möchte das Ehepaar in etwa zwei Jahren wieder in die Schweiz zurückkehren. Allerdings müsste bis dahin ihre Nachfolge geregelt sein, denn die Mädchen der VEM sollen nicht allein gelassen werden. Hier ist noch eine Lebensaufgabe zu vergeben. 

*siehe dazu unten : 
Anmerkung Nov. 2003

Aargauer Zeitung 19. März 1998

Statt Ruhestand in der Schweiz 
ein neues Leben in Brasilien

von Peter Rinderknecht 

Immer häufiger übersiedeln Jungrentner in Länder mit milderem Klima oder günstigeren Lebenskosten. Als aber der frühpensionierte Ingenieur Bernhard Bislin aus Remetschwil1992 mit seiner Frau Irene den Ausreiseentscheid fällte, hatten sie ganz andere Beweggründe. Ihr wichtigstes Motiv: «Im Vollbesitz der Kräfte noch etwas Nützliches tun.»

Nächstenliebe
war für die beiden kein Fremdwort. Irene Bislin, kaufmännisch und pflegerisch ausgebildet, hatte nach dem Auszug der drei Kinder viele einsame Kranke und Betagte in der weitläufigen Kirchgemeinde Mellingen und Umgebung am Rohrdorferberg und im GnadenthaI besucht. Ebenso engagiert leitete sie als Kirchenpflegerin das Ressort «Entwicklungshilfe und Ökumene». Zuvor hatte der Ehemann als Elektroingenieur einen Kaderposten erreicht und seiner Familie ein stattliches Haus über dem Reusstal erbaut. Aber auch er wollte seine reiche Lebenserfahrung und Vitalität Menschen zur Verfügung stellen, denen es schlechter geht.

Zurück nach Brasilien 
Bei den Zukunftsplänen stand ein Ziel klar im Vordergrund: Brasilien. Warum? Weil die junge Familie mit drei Kindern bereits ab 1964 sechs glückliche Jahre dort verbacht hatte, während der Vater die elektromechanischen Anlagen für das Wasserkraftwerk Jaguaru projektierte und die Ausführung überwachte. Die Erinnerung an dieses Riesenland mit seiner liebenswürdigen, aber meist ärmlichen Landbevölkerung lockte. Briefe mit alten Bekannten bestätigten, dass Hilfe willkommen sei. Jetzt galt es Ernst. Im Herbst 1992 wurde der Hausrat radikal verkleinert, das Wohnhaus der Familie eines Sohnes übergeben. Die Einreiseformalitäten waren bald erledigt: Gegen Senioren mit einer sicheren Schweizer Rente und guten Portugiesisch-Kenntnissen hatten die Behörden nichts einzuwenden.

Von Remetschwil nach Diamantina 
Im Januar 1993 begann das gosse Abenteuer, vorerst nur mit leichtem Gepäck. Aber gleich die ersten Ein- drücke von ihrem früheren Wohnort schreckten sie ab; aus der Stadt Belo Horizonte war ein Moloch mit drei Millionen Einwohnern geworden. Nein, das entsprach nicht ihren Vorstellun- gen. Ein Anruf bei Bekannten führte sie 300 Autokilometer nach Norden in die Siedlung Diamantina im Gebirge des Espinhaço, wo sie vom Ehepaar ConsoLaçao und Geraldo Rebeiro de Miranda als alte Freunde aufgenommen wurden.

Ausbildungszentrum für Mädchen 
Freund Geraldo ist Präsident der Kinderschutzgesellschaft, die seit Jahrzehnten ein Wohnheim mit Berufsschule für 75 Waisenknaben führt. In den Gesprächen mit den Gastgebern kristallisierte sich heraus, dass dringend etwas für Mädchen getan werden müsste. 

Das Ehepaar entschliesst sich, diese Aufgabe anzupacken, wobei ihnen auch das Klima entgegenkommt: Auf 1300 Metern Höhe lebt man weit angenehmer als im Tiefland Das Konzept für die Schule lautet : Um den bescheidenen staatlichen Nachmittags-Unterricht nicht zu konkurrenzieren, sollen am Vormittag Grundlagen der Hauswirtschaft vermittelt werden. Freudig beginnt Irene Bislin mit sieben Mädchen mit Lektionen im privaten Wohnzimmer. Ernüchtert stellt sie fest, dass vor dem Unterricht über Kochen, Nähen, , Waschen die Mädchen zuerst gebadet, entlaust, entwurmt und neu eingekleidet werden müssen. Sie bitten Freunde und Institutionen um Textilien und Nähmaterial. Ehemann Bernhard hat nicht nur Pläne für ein erstes Gebäude mit zwei Schul- und Werkzimmern, Sanitäranlagen, Küche und Veranda entworfen, er hat mit Freund Geraldo auch die Formalitäten vorbereitet zur staatlichen Anerkennung der «Vila Educacional de Meninas», abgekürzt VEM (Ausbildungszentrum für Mädchen). Und es gelingt sogar, noch kurz vor Weihnachten im Jahr ihrer Ankunft die erste Generalversammlung durchzuführen. 

Dynamische Entwicklung
Schon im ersten Quartal 1994 kann der erste Neubau erstellt und bezogen werden; Bernhard Bislin hat schliesslich Erfahrung mit dem Bauen in diesem Land. In den beiden Klassenzimmern finden die unteren und die oberen Jahrgänge Platz. nebenan wird gekocht. auf der Veranda gegessen. Das braucht natürlich Mittel. und dazu wird in der Schweiz auch die «Stiftung Pro Diamantina» gegründet.  (siehe "Stiftung"). 
 
Jetzt kann auch eine verbesserte Ausbildung geboten werden: Körperpflege, Gesundheitslehre, Sexualerziehung. 
Der Staat Minas Gerais beschäftigt eine Lehrerin für Nachhilfeunterricht. Da Neueintretende oft monatelang unter schlecht heilenden Wunden leiden, sorgt eine Krankenschwester für Betreuung im Notfall kann auch ein Arzt oder Zahnarzt kostenlos beansprucht werden. 

Den (natürlich katholischen) Religionsunterricht ergänzen Fächer wie Singen und Werken. Aus therapeutischen Gründen lässt man die Kinder Malen und Modellieren. All dies erfordert engen Kontakt mit den Familien der Mädchen. Nebst Hausbesuchen und persönlichen Gesprächen organisiert eine Psychologin monatliche Müttertreffs, um vor allem über die Problematik heranwachsender Töchter zu sprechen.
 
Wenn nötig nimmt die Leitung Kontakt auf mit dem Sozialamt, dem Vormundschaftsamt und dem Psychiatrischen Dienst. Das VEM bietet sogar- ein Novum im Land - den Müttern Intensivkurse über gesunde Ernährung oder Heilpflanzenkunde an. 
 
Neulich ist - dank zusätzlichen Spenden - das zweite Schulhaus mit zwei weiteren Mehrzweckräumen, darunter liegen Wäscherei und Bäckerei, im Rohbau fertiggeworden, so dass bald 40 Mädchen unterrichtet werden können. Der biologische Gemüsebau gedeiht, als nächstes Ziel ist Hühner- und Kaninchenhaltung vorgesehen. 

Das höhere Ziel 
Die vom VEM praktizierte Entwicklungshilfe begnügt sich nicht mit einem einseitigen «Geben»; sie bedeutet für alle Beteiligten «Geben und Nehmen». Die Mitarbeiter/innen werden oft sehr gefordert, erfahren aber auch viel Liebe und Dankbarkeit. Nach dem Mittagessen sind die Mädchen in der Volksschule. Gelegenheit also für die Verantwortlichen zur Bibellesung, zum Austausch über ihre Probleme und zum Ökumenischen Gebet. Das Credo der VEM lautet, die Mädchen zu Selbstbewusstsein und Selbsthilfe in christlichem Sinn zu erziehen. Sie sollen nicht länger willenlose Opfer der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zustände ihres Landes sein wie ihre Mütter. Eines Tages sollten sie ein menschenwürdiges Dasein führen und ihre Kinder in diesem Sinn erziehen können. 

Und die Zukunft?
 
(siehe unten Anm. Nov. 2003)

Und die Zukunft? Irene Bislin ist heute (1998) 62jährig, ihr Ehemann Bemhard wird bald 70. Natürlich hoffen sie, noch einige Jahre länger wirken zu können. Aber sie wissen, dass ihr Werk dann die beste Überlebenschancen hat, wenn es in den Herzen der Schweizer Freunde verwurzelt und von den Händen und Köpfen der einheimischen Mitarbeiter und Stiftungsmitglieder getragen wird.
 

Diamantina
liegt im Gebirge des Espinhaço auf ca. 1200-1300 m Höhe. 
Das Gemeindegebiet ist 3x so gross wie der Kanton Aargau, die Stadt zählt 25'000 Einwohner, das ganze Gemeindegebiet ca. doppelt so viel.
1714 wurden die ersten Diamanten entdeckt, bald darauf wurde der Distrikt von Diamantina der Portugiesischen Krone unterstellt und jeder Kontakt zur Aussenwelt einer strengen Kontrolle unterzogen. In dieser Isolation entstand ein reizendes Kolonialstädtchen und ein schollenverbundener, sympathischer Menschenschlag.
Inzwischen sind die Diamantenfunde spärlich geworden, aber das Fieber nach dem Zufallsglück ist geblieben. Noch immer arbeiten über 90% der Männer der armen Bevölkerungsschicht als Gold- und Diamantenschürfer. Doch der vermeintliche Segen hat sich zum Fluch gewandelt. Die Väter nehmen schon ihre 10-jährigen Jungen mit ins Camp. Erstere verlassen ihre Familien, letztere gehen weder zur Schule noch lernen sie ein Handwerk. Das karge Einkommen zerrinnt meistens rasch in Alkohol.  Die Erde ist karg und steinig und erlaubt keine intensive Landwirtschaft. Mit Ausnahme einer Textilfabrik halten sich Kleingewerbe über Wasser. Fazit: grosse Arbeitslosigkeit, materielle Armut auch im Mittelstand. 2/3 der Erwerbstätigen sind als Arbeitnehmer nicht registriert und haben deshalb keinen Anspruch auf Sozialleistung.

Serro,

Nachbarstadt von Diamantina, ca. 90 km entfernt, liegt auf ca. 900 m. Das Klima ist hier kühler, es gibt Wälder und die Erde ist fruchtbarer und für Landwirtschaft geeignet. So wird denn hier auch ein typischer Käse, der Minas-Käse, auf den Bauernhöfen hergestellt.
1702 wurden die ersten Goldfunde gemacht. Trotzdem lebt die Stadtbevölkerung heute noch in grosser Armut. Die sozialen Probleme sind in etwa identisch mit denjenigen von Diamantina.

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  Nov. 2003

Anmerkung :
Alle drei Einrichtungen stehen inzwischen unter brasilianischer Leitung.