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Am 2. März reist das in Baden wohnhafte Rentner-Ehepaar Irène und
Bernhard Bislin für zwei Monate nach Diamantina in Brasilien. Vor 11
Jahren haben die früheren Remtschwiler dort ein erfolgreiches Projekt
für Kinder und Jugendliche auf die Beine gestellt.
Als junge Familie lebten die Bislins in den Sechzigerjahren während
längerer Zeit in Belo Horizonte. Vater Bernhard Bislin war im
Auftrag eines Schweizer Unternehmens
als Elektroingenieur im Kraftwerkbau
tätig. Während dieser Zeit lernte die Familie mit drei Kindern die
vielfältigen Probleme dieses
Landes und vor allem der armen Bevölkerungsschicht
kennen. Für Irene und Bernhard
Bislin war klar, dass sie die Zeit nach der Pensionierung
sinnvoll nutzen und in ein
Hilfsprojekt stecken wollten. Es war für sie naheliegend, dieses
Zeichen der Nächstenliebe in Brasilien zu setzen.
Im Herbst 1992
wurde das Wohnhaus in Remetschwil einem Sohn übergeben und der Haushalt
aufgelöst – das grosse Abenteuer konnte starten. Im Januar 1993 erfolgte
die Abreise, vorerst mit dem Ziel Belo Horizonte. Aber die Bislins
erkannten die Millionenstadt, in der sie in den Sechzigerjahren gelebt
hatten, fast nicht wieder. Sie entflohen dem Moloch und landeten
schliesslich bei Freunden in Diamantina, einer Siedlung in kargem
Gebirge und weitab von grossen Städten.
In dieser Stadt besteht seit Jahren ein Internat für bedürftige oder
verwaiste Knaben. Dieses
Projekt untersteht der «Gesellschaft zum Schutze des Kindes», deren
Präsident Geraldo Ribeiro, ein Freund von Irene und Bernhard
Bislin, ist. Er berichtete über die prekäre Situation vieler
Mädchen aus der Peripherie und
von der Notwendigkeit, auch für diese
etwas zu tun.
Und damit war für das Ehepaar Bislin klar: Hier soll ihre Hilfe
ansetzen. Noch im gleichen Jahr konnte ein kleines Landgut gemietet und
mit der Arbeit begonnen werden. Mit einer ersten Gruppe von 7 Mädchen
wurde der Grundstein der Erziehungsstätte für bedürftige Mädchen, der
«Vila Educacional de Meninas» (VEM) gelegt.
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Bei der VEM wird Brot gebacken
Die Mädchen, die aus sehr armen oder
zerrütteten Familien kommen
oder keine Eltern haben,
finden im VEM tagsüber ein
Zuhause. Sie erhalten Verpflegung, ausserschulische Erziehung und
Orientierung fürs spätere Leben.
Die
Mädchen werden verpflichtet, die
städtische Volksschule zu
besuchen. VEM sorgt für
Schulmaterial, Schulkleider und erteilt Nachhilfeunterricht.
Wert gelegt wird auf
Allgemeinbildung. Dazu gehören auch Hygiene, Sexual-erziehung,
Religionslehre etc. Die Mädchen erhalten aber auch berufliche Bildung
wie Kochen und Backen, Zuschneiden
und Nähen, Haarpflege und
Manicure,Gartenbau etc. Mit den Ältesten wurde eine
Produktionsgruppe gebildet. Jeden
Montag werden während 2 Stunden Produkte aus Leder, Ton und Email
hergestellt, am Freitag wird
Vollkornbrot gebacken.
Diese Erzeugnisse bieten sie dann
samstags auf dem Markt zum Kauf an.
Im Jahr 1994 wurde die Stiftung Pro
Diamantina mit Sitz in Remetschwil
ins Leben gerufen. Sie ist als gemeinnützige
Institution anerkannt und verpflichtet,
dem Eidgenössischen Departement des Innern (EDI) jährlich Rechnung
abzulegen. Spenden können in
allen Kantonen bei den Steuern in Abzug
gebracht werden.
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Pro Diamantina
ist eine Organisation zur
Hilfeleistung an bedürftige Kinder und Jugendliche
in der Stadt Diamantina in Brasilien
und deren Einzugsgebiet.
Finanziell und ideell
unterstützt werden von der
Stiftung aber auch das Projekt Cedia (Halbtagesschule für Kinder und Jugendliche)
in einer Nachbarstadt von Diamantina, sowie «Apae», ein Tagesheim
für geistig und körperlich Behinderte.
Nach Jahren intensiver Tätigkeit haben
die Bislins das VEM im Jahr 2000
an ein dreiköpfiges brasilianisches
Gremium übergeben.
Inzwischen sind es rund 60
Mädchen im Alter zwischen 7
und 17 Jahren, die vom VEM profitieren
können.
Irene und Bernhard Bislin sind
nach neunjährigem selbstlosem Einsatz in die Schweiz zurückgekehrt und
haben
2001 in Baden Wohnsitz genommen.
Geblieben ist ein intensiver Kontakt mit Diamantina. Es erreichen
sie regelmässig Protokolle der
Mitarbeiter-Sitzungen, Semester-berichte sowie Jahres- und
Revisionsbericht.
Die Bislins sind dankbar, dass sich
seit Jahren Leute aus der Region im 7-köpfigen Stiftungsrat
für Gotteslohn engagieren.
Gelegentlich werden
altershalber Mitglieder zu
ersetzen sein. Interessenten
können sich bei
Irene und Bernhard Bislin,
St.‑Ursus‑Strasse 22,
Baden, melden. Tel. 56/2211704
oder unter
bibislin(ät)bluewin.ch
.
Spendenkonto:
UBS AG, Badstrasse
12,5401
Baden, zugunsten Stiftung Pro Diamantina,
Konto: 232-41294873.0,
oder
Postscheckkonto:
50-3907-7,
Stiftung Pro
Diamantina, 5453
Remetschwil.
| AM
SUPPENTAG DABEI
Zwei Tage, bevor das Ehepaar Bislin vorübergehend wieder nach
Brasilien zurückkehrt, wird es in der Oberrohrdorfer Zähnteschüür
am kommenden Sonntag, 29.
Februar, am Suppentag teilnehmen.
Bereits zum 11. Mal fliesst
der Erlös dieser ökumenischen
Veranstaltung der
Stiftung Pro Diamantina
zu. Bis heute durfte die
Stiftung schon über 50.000 Franken «Suppentaggeld» vom
Rohrdorferberg in Empfang nehmen.
Organisiert wird der Suppentag
seit Jahren durch ein bewährtes
ökumenischesTeam. (ri.) |
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Neugierig wird
der Fremde, der um die Mittagszeit im Internat ankommt, vom offenen
Essraum aus beäugt. Zwei Minuten später werden ihn die jungen
Besitzerinnen der dunklen Augen im Chor mit ihren Kolleginnen zum Essen
einladen. Die vierzig Mädchen, mit wenigen Ausnahmen durchwegs dunkler
Hautfarbe, sind die Schützlinge von Irène und Bernhard Bislin, einem
Schweizer Ehepaar, welches sich nach der Pensionierung noch nicht in den
wohlverdienten Ruhestand zurückziehen wollte, sondern nach einer neuen
Aufgabe suchte. Und die Aufgabe fand sich - in Brasilien.
In Diamantina, einem Städtchen im Bundesstaat Minas Gerais, gründeten
sie im Dezember 1993 die VEM, die
"Vila Educacional de Meninas".
Überforderte
Mütter
Schliesslich nimmt auch der Religionsunterricht, welcher von katholischen
Lehrerinnen geleitet wird, einen wichtigen Platz ein. Das Ehepaar Bislin,
selber reformiert, sieht den konfessionellen Unterschied als
Herausforderung, nicht als Hindernis. Es bemüht sich darum, dass die Mädchen
zu echtem Glauben erzogen werden, welcher sich nicht in leeren Formeln
erschöpft. Die Aufgabe, die sich Irène und Bernhard Bislin gestellt
haben, ist alles andere als einfach.
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Die Mädchen der VEM
stammen alle aus den untersten sozialen Schichten, wo häufig
ungeordnete Familienverhältnisse anzutreffen sind. Die Mütter
werden oft mit einer Vielzahl von Kindern, zum Teil von
verschiedenen Vätern, im Stich gelassen, weil die Männer, trotz
den immer spärlicher werdenden Funden, auf die Diamentensuche gehen
und von der Jagd nach dem Zufallsglück nie mehr zur Familie zurückkehren
oder weil sie sich sonst ihrer Verantwortung entschlagen.
Es handelt sich dabei um ein Halbtagesinternat für bedürftige Mädchen zwischen
7 und 17 Jahren, welches einerseits auf die ausserschulische Erziehung
ausgerichtet ist, andererseits aber auch Lücken im Lehrplan der öffentlichen
Schulen schliessen will, wo in Klassen von bis zu 40 Schülern oft
kaum mehr als Rechnen und Schreiben unterrichtet wird. In der VEM
erhalten die Mädchen Unterricht in Hygiene und Gesundheit,
Sexualkunde, Malen und Zeichnen, Gesang, Nähen, Sticken, Werken mit
Holz und Ton, Gärtnern und Kochen. Ausserdem erhalten sie
Nachhilfeunterricht für die Schule und einfache medizinische
Betreuung. |
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Nachfolger
gesucht (siehe Anm.)
Das Ehepaar Bislin kann die lebhafte Kinderschar längst nicht mehr allein
betreuen. Es wurden drei Lehrerinnen angestellt, und das Team wird noch
durch eine französische Sozialarbeiterin verstärkt. Ausserdem leisten
etwa 20 freiwillige Helfer aus der Stadt stundenweise unentgeltliche Einsätze.
Finanziert wird die VEM durch Spenden von Freunden, Bekannten, Firmen und
kirchlichen Institutionen mehrheitlich aus der Schweiz und Deutschland, zu
einem geringen Teil auch aus Diamantina selber. Irène und Bernhard Bislin
beklagen wohl den grossen administrativen Aufwand, der sie oft noch bis spätabends
und an Wochenenden beschäftigt, sprechen aber im gleichen Atemzug von der
erfülltesten Zeit ihres Lebens. Trotzdem möchte das Ehepaar in etwa zwei
Jahren wieder in die Schweiz zurückkehren. Allerdings müsste bis dahin
ihre Nachfolge geregelt sein, denn die Mädchen der VEM sollen nicht
allein gelassen werden. Hier ist noch eine Lebensaufgabe zu
vergeben.
*siehe
dazu unten :
Anmerkung Nov. 2003
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Aargauer Zeitung 19. März 1998
Statt Ruhestand in der
Schweiz
ein neues Leben in Brasilien
von Peter
Rinderknecht
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Immer häufiger übersiedeln Jungrentner in Länder mit
milderem Klima oder günstigeren Lebenskosten. Als aber der
frühpensionierte Ingenieur Bernhard Bislin aus Remetschwil1992 mit seiner
Frau Irene den Ausreiseentscheid fällte, hatten sie ganz andere
Beweggründe. Ihr wichtigstes Motiv: «Im Vollbesitz der Kräfte noch
etwas Nützliches tun.»
Nächstenliebe
war für die beiden kein
Fremdwort. Irene Bislin, kaufmännisch und pflegerisch ausgebildet, hatte
nach dem Auszug der drei Kinder viele einsame Kranke und Betagte in der
weitläufigen Kirchgemeinde Mellingen und Umgebung am Rohrdorferberg und
im GnadenthaI besucht. Ebenso engagiert leitete sie als Kirchenpflegerin
das Ressort «Entwicklungshilfe und Ökumene». Zuvor hatte der Ehemann
als Elektroingenieur einen Kaderposten erreicht und seiner Familie ein
stattliches Haus über dem Reusstal erbaut. Aber auch er wollte seine
reiche Lebenserfahrung und Vitalität Menschen zur Verfügung stellen,
denen es schlechter geht.
Zurück nach Brasilien
Bei den Zukunftsplänen stand ein Ziel
klar im Vordergrund: Brasilien. Warum? Weil die junge Familie mit drei
Kindern bereits ab 1964 sechs glückliche Jahre dort verbacht hatte,
während der Vater die elektromechanischen Anlagen für das
Wasserkraftwerk Jaguaru projektierte und die Ausführung überwachte. Die
Erinnerung an dieses Riesenland mit seiner liebenswürdigen, aber meist
ärmlichen Landbevölkerung lockte. Briefe mit alten Bekannten
bestätigten, dass Hilfe willkommen sei. Jetzt galt es Ernst. Im Herbst
1992 wurde der Hausrat radikal verkleinert, das Wohnhaus der Familie eines
Sohnes übergeben. Die Einreiseformalitäten waren bald erledigt: Gegen
Senioren mit einer sicheren Schweizer Rente und guten
Portugiesisch-Kenntnissen hatten die Behörden nichts einzuwenden.
Von Remetschwil nach Diamantina
Im Januar 1993 begann das gosse Abenteuer,
vorerst nur mit leichtem Gepäck. Aber gleich die ersten Ein- drücke von
ihrem früheren Wohnort schreckten sie ab; aus der Stadt Belo Horizonte
war ein Moloch mit drei Millionen Einwohnern geworden. Nein, das entsprach
nicht ihren Vorstellun- gen. Ein Anruf bei Bekannten führte sie 300
Autokilometer nach Norden in die Siedlung Diamantina im Gebirge des
Espinhaço,
wo sie vom Ehepaar ConsoLaçao
und Geraldo Rebeiro de Miranda als alte Freunde aufgenommen wurden.
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Ausbildungszentrum
für Mädchen
Freund
Geraldo ist Präsident der Kinderschutzgesellschaft, die seit Jahrzehnten
ein Wohnheim mit Berufsschule für 75 Waisenknaben führt. In den Gesprächen
mit den Gastgebern kristallisierte sich heraus, dass dringend etwas für Mädchen
getan werden müsste.
Das Ehepaar
entschliesst sich, diese Aufgabe anzupacken, wobei ihnen auch das Klima
entgegenkommt: Auf 1300 Metern Höhe lebt man weit angenehmer als im
Tiefland Das Konzept für die Schule lautet : Um den bescheidenen
staatlichen Nachmittags-Unterricht nicht zu konkurrenzieren, sollen am
Vormittag Grundlagen der Hauswirtschaft vermittelt werden. Freudig beginnt
Irene Bislin mit sieben Mädchen mit Lektionen im privaten Wohnzimmer. Ernüchtert
stellt sie fest, dass vor dem Unterricht über Kochen, Nähen, , Waschen
die Mädchen zuerst gebadet, entlaust, entwurmt und neu eingekleidet
werden müssen. Sie bitten Freunde und Institutionen um Textilien und Nähmaterial.
Ehemann Bernhard hat nicht nur Pläne für ein erstes Gebäude mit zwei
Schul- und Werkzimmern, Sanitäranlagen, Küche und Veranda entworfen, er
hat mit Freund Geraldo auch die Formalitäten vorbereitet zur staatlichen
Anerkennung der «Vila Educacional de Meninas», abgekürzt VEM
(Ausbildungszentrum für Mädchen). Und es gelingt sogar, noch kurz vor
Weihnachten im Jahr ihrer Ankunft die erste Generalversammlung durchzuführen.
Dynamische
Entwicklung
Schon
im ersten Quartal 1994 kann der erste Neubau erstellt und bezogen werden;
Bernhard Bislin hat schliesslich Erfahrung mit dem Bauen in diesem Land.
In den beiden Klassenzimmern finden die unteren und die oberen
Jahrgänge Platz. nebenan wird gekocht. auf der Veranda gegessen. Das
braucht natürlich Mittel. und dazu wird in der Schweiz auch die
«Stiftung Pro Diamantina» gegründet.
(siehe "Stiftung").
Jetzt kann auch eine
verbesserte Ausbildung geboten werden: Körperpflege, Gesundheitslehre,
Sexualerziehung.
Der Staat Minas Gerais beschäftigt eine Lehrerin für
Nachhilfeunterricht. Da Neueintretende oft monatelang unter schlecht
heilenden Wunden leiden, sorgt eine Krankenschwester für Betreuung im
Notfall kann auch ein Arzt oder Zahnarzt kostenlos beansprucht
werden.
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Den (natürlich katholischen)
Religionsunterricht ergänzen Fächer wie Singen und Werken. Aus
therapeutischen Gründen lässt man die Kinder Malen und Modellieren. All
dies erfordert engen Kontakt mit den Familien der Mädchen. Nebst
Hausbesuchen und persönlichen Gesprächen organisiert eine Psychologin
monatliche Müttertreffs, um vor allem über die Problematik
heranwachsender Töchter zu sprechen.
Wenn nötig nimmt die Leitung
Kontakt auf mit dem Sozialamt, dem Vormundschaftsamt und dem
Psychiatrischen Dienst. Das VEM bietet sogar- ein Novum im Land - den
Müttern Intensivkurse über gesunde Ernährung oder Heilpflanzenkunde
an.
Neulich ist - dank zusätzlichen Spenden - das zweite Schulhaus mit zwei
weiteren Mehrzweckräumen, darunter liegen Wäscherei und Bäckerei, im
Rohbau fertiggeworden, so dass bald 40 Mädchen unterrichtet werden können.
Der biologische Gemüsebau gedeiht, als nächstes Ziel ist Hühner- und
Kaninchenhaltung vorgesehen.
Das höhere
Ziel
Die
vom VEM praktizierte Entwicklungshilfe begnügt sich nicht mit einem
einseitigen «Geben»; sie bedeutet für alle Beteiligten «Geben und
Nehmen». Die Mitarbeiter/innen werden oft sehr gefordert, erfahren aber
auch viel Liebe und Dankbarkeit. Nach dem Mittagessen sind die
Mädchen in der Volksschule. Gelegenheit also für die Verantwortlichen
zur Bibellesung, zum Austausch über ihre Probleme und zum Ökumenischen
Gebet. Das Credo der VEM lautet, die Mädchen zu Selbstbewusstsein und
Selbsthilfe in christlichem Sinn zu erziehen. Sie sollen nicht länger
willenlose Opfer der politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zustände
ihres Landes sein wie ihre Mütter. Eines Tages sollten sie ein
menschenwürdiges Dasein führen und ihre Kinder in diesem Sinn erziehen
können.
Und die
Zukunft?
(siehe
unten Anm. Nov. 2003)
Und
die Zukunft? Irene Bislin ist heute (1998) 62jährig, ihr Ehemann Bemhard
wird bald 70. Natürlich hoffen sie, noch einige Jahre länger wirken zu
können. Aber sie wissen, dass ihr Werk dann die beste Überlebenschancen
hat, wenn es in den Herzen der Schweizer Freunde verwurzelt und von den
Händen und Köpfen der einheimischen Mitarbeiter und Stiftungsmitglieder
getragen wird.
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Diamantina
liegt im Gebirge des Espinhaço auf ca. 1200-1300 m Höhe.
Das Gemeindegebiet ist 3x so gross wie der Kanton
Aargau, die Stadt zählt 25'000 Einwohner, das ganze
Gemeindegebiet ca. doppelt so viel.
1714 wurden die ersten Diamanten entdeckt, bald darauf wurde
der Distrikt von Diamantina der Portugiesischen Krone
unterstellt und jeder Kontakt zur Aussenwelt einer strengen
Kontrolle unterzogen. In dieser Isolation entstand ein
reizendes Kolonialstädtchen und ein schollenverbundener,
sympathischer Menschenschlag.
Inzwischen sind die Diamantenfunde spärlich geworden, aber
das Fieber nach dem Zufallsglück ist geblieben. Noch immer
arbeiten über 90% der Männer der armen Bevölkerungsschicht
als Gold- und Diamantenschürfer. Doch der vermeintliche
Segen hat sich zum Fluch gewandelt. Die Väter nehmen schon
ihre 10-jährigen Jungen mit ins Camp. Erstere verlassen ihre
Familien, letztere gehen weder zur Schule noch lernen sie
ein Handwerk. Das karge Einkommen zerrinnt meistens rasch in
Alkohol. Die Erde ist karg und steinig und erlaubt keine
intensive Landwirtschaft. Mit Ausnahme einer Textilfabrik
halten sich Kleingewerbe über Wasser. Fazit: grosse
Arbeitslosigkeit, materielle Armut auch im Mittelstand. 2/3
der Erwerbstätigen sind als Arbeitnehmer nicht registriert
und haben deshalb keinen Anspruch auf Sozialleistung.
Serro,
Nachbarstadt von Diamantina, ca. 90 km entfernt, liegt auf
ca. 900 m. Das Klima ist hier kühler, es gibt Wälder und die
Erde ist fruchtbarer und für Landwirtschaft geeignet. So
wird denn hier auch ein typischer Käse, der Minas-Käse, auf
den Bauernhöfen hergestellt.
1702 wurden die ersten Goldfunde gemacht. Trotzdem lebt die
Stadtbevölkerung heute noch in grosser Armut. Die sozialen
Probleme sind in etwa identisch mit denjenigen von
Diamantina.
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Nov.
2003
Anmerkung :
Alle drei Einrichtungen stehen inzwischen unter brasilianischer Leitung.
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